Entertainment, Talk Radio, Talk Show

TALK RADIO in den USA (Originalversion)

Originalversion. Gekürzte Version veröffentlicht  in  Journalist 8/2001

Von Thorsten Passek

TALK RADIO in den USA

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Bist Du bei ihm gekommen? Wie oft?

Standardfragen von Howard Stern. Der Talk Radio Star hat  gerade Starmodel/Schauspielerin Kylie Bax „auf dem Grill“.

Wie war der Sex mit dem Ex? Mit Supermodel Markus  Schenkenberg, der zu  Pamela Anderson übergelaufen ist. Wieso hat er sie verlassen?

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Shows wie diese gehören zum Alltag im US Talk Geschäft. Die  Luft ist heiß geredet, viel heiße Luft geht über den Äther. Eine nie verstummende Talk Kakophonie. Keine Ecke, kein Winkel menschlichen Verhaltens wird ausgelassen. Politik, Sport, Gesundheit, Finanzen, Religion, Psychologie, subkulturelle Phänomene, das Paranormale und immer wieder Sex. Es wird gebohrt, gestochert, provoziert, analysiert,  interpretiert, prognostiziert, aufgeklärt, erläutert, geschulmeistert.  Von Hosts, Moderatoren  mit zum Teil dubiosen Biographien:

Oliver North war in die Iran Contra Affäre verstrickt, Matt Drudge ist berüchtigt für seinen Drudgereport, einer Gerüchteküche im Internet.

Gordon Liddy war unter Nixon FBI Agent. Er war Rädelsführer des Watergate Einbruches und plante die (nicht ausgeführte) Ermordung eines „feindlichen“ Journalisten. Er weigerte sich vor dem Ermittlungsausschuss auszusagen und  bekam die längste Strafe aller an Watergate Beteiligten: 20 Jahre Gefängnis, nach  5 Jahren wurde er begnadigt.

Heute senden 260 Stationen seine Show.

Oder  „Dr.“  Laura Schlessinger. Die ehemalige Sportlehrerin und selbsternannte Doktorin gibt Lebenshilfe. Sie hat nie promoviert.

Nur im Zeitalter des Talk konnte der ultrarechte Präsidentschaftskandidat Pat Buchanan den Radio Talk Show Host  Alan Keys als seinen potentiellen Vizepräsidenten aufstellen. Keys sendete weiter und machte noch Monate nach seiner Nominierung Propaganda in eigener Sache.

Einer der  erfolgreichsten Talker ist ein 3  Zentner Mann aus Missouri: Rush Limbaugh macht täglich unverhohlen Propaganda für die Republikaner. Der erfolglose Rock DJ  probierte es  eine  Zeit lang als Sportreporter und fand schließlich in der flammenden Ablehnung alles Liberalen und Demokratischen seine Bestimmung. Er spricht nur mit Anrufern, die ihm zustimmen, andere Meinungen finden in seiner Sendung nicht statt. Er verscherbelt Sweatshirts und Bierkrüge mit seinem Konterfei. Täglich senden über 660 Stationen die Rush Limbaugh Show. Auch wenig schmeichelhafte Bücher wie das des Zynikers Al Franken können seiner Popularität nicht schaden: „Rush Limbaugh is a big fat idiot!“

Nie gab es soviel Talk wie heute, Talk Radio ist das Erfolgsformat der 90er Jahre. 1980 gab es 75 Talkstationen in ganz Amerika, 1991 waren es  350 , heute sind es 1355, Tendenz steigend. In den frühen 60er Jahren wurde Talk  von 3 Sendern als eigenständiges  Format  eingeführt, darunter KABC in Los Angeles, der es bis heute betreibt.

Die Moderatoren trompeten ihre Meinung heraus, ohne fürchten zu müssen, dass diese  hinterfragt wird. Gegendarstellungen gehen unter.

1995  behauptete Privatdetektiv Tom Grant als Studiogast bei KLSX in Los Angeles, seine Ermittlungen hätten ergeben, dass Courtney Love ihren Mann, den Nirvana  Star Kurt Cobain umbringen ließ. Die Show wurde damals an 116 Stationen in ganz Amerika verkauft und das Gerücht machte schnell die Runde.

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Einen Beweis blieb Grant  schuldig und KLSX wurde von Courtney Love’s Anwälten gezwungen, eine Gegendarstellung zu bringen. Doch die gut versteckt gesendete Gegendarstellung war wenig spektakulär und wurde kaum beachtet.  Daher hält sich das Gerücht bis heute.

Auch rechtes Gedankengut ist keine Seltenheit, das amerikanische Recht der freien Meinungsäußerung beschützt Reaktionäre wie Liberale. Nur bei bestimmten sexuell gefärbten Worten wird der „Dumpbutton“  eingesetzt. Die Sendungen sind live, werden aber mindestens  7 Sekunden verzögert, bevor sie ausgestrahlt werden. Die Taste kann Probleme „löschen“ und den von der US Medienaufsichtsbehörde FCC verordneten “ guten Geschmack“ retten.

Benutzt ein Moderator selber wiederholt anzügliche Ausdrücke, kann sein Sender, bzw. die Firma für die er arbeitet, von der FCC mit Geldbußen, nicht selten  in Millionenhöhe belegt werden. Ihm droht dann die Kündigung.

Rassistische Bemerkungen werden hart geahndet, Morton Downey Jr. und der „Greaseman“ Doug Tracht wurden deswegen gefeuert.

Weltkrisen, Skandale, Handelsdefizite und soziale Ungerechtigkeiten werden in einfachen, dogmatischen Sätzen abgehandelt. Vor der Werbeunterbrechng noch schnell, zack zack, auf einer Skala von 1-10, wie sind die Chancen,  daß Bush das Budget in den Griff bekommt, wird er das Sozialwesen kürzen? Natürlich. Und gleich mehr! Gibt es ein neues Mittel, das den Krebs besiegt?  Nach der Werbung.

Politische Kandidaten gehen gerne in ausgesuchte Radio Shows. Clinton wog 1992 genau ab, wo er sich präsentierte. Obwohl ihn der New Yorker WFAN Morgen- Mann Don Imus ständig in die Pfanne haute, ging er in seine Sendung. Das wirkte souverän und machte Clinton  sympathisch. Und brachte Imus gute Ratings.

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Das Erfolgsformat

Durch die Wahl im vergangenen Jahr hat das  ohnehin erfolgreiche Talkformat einen weiteren  Aufschwung erlebt.

Publikumsforschung wird permanent und sehr intensiv betrieben, die Hörerschaft von Talk  ist  bei der werbetreibenden Wirtschaft äußerst beliebt. Denn Talk Hörer haben eine bessere Ausbildung und fühlen sich durch Werbung nicht so sehr gestört wie Musikradiohörer.

Vor allem: Sie haben  mehr Geld!

Talk Radio gibt es  in 2 völlig verschiedenen Spielarten: AM –   Talk  auf Mittelwelle meist für Hörer ab 50 (Ausnahme: KFI in LA)  Die  Themenschwerpunkte liegen  auf Tagesgeschehen, Politik, Haus-Garten-Finanztips etc. Diese  Form wird auch ausnahmslos in Australien praktiziert. Es  wird informiert und diskutiert, aber nicht schockiert.

Seit 1995 gibt es  Talk auch auf UKW (FM). Meist sind es erfolglose Rockstationen, die die Musik abschaffen, aber die nonkonformistische Rockattitüde behalten. Im Visier: Hörer ab 25+,  die nicht den ganzen Tag von Musik berieselt werden wollen. Sie sind mit FM aufgewachsen, würden kaum auf Mittelwelle nach Programmen zu suchen. FM Talk ist schärfer, ruppiger, rotziger.

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Auch die Morgenshows der Musiksender sind  reine Talkshows, haben aber zumindest einen sehr hohen Wortanteil.

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Warum ist Talk Radio so erfolgreich?

Es ist Menschen ein Grundbedürfnis  ihre Meinung  kundzutun, zu diskutieren, zu streiten. Doch Talk Radio ist nicht nur „Call In“ – das Gespräch mit (ausgesuchten) Anrufern.

In den diversen FM Shows gibt es schrägen Humor, Überraschungen, kreative Aktionen. Viele Talker gehen neue Wege. Sie konfrontieren ihre Hörer mit unvorhersehbaren Richtungswechseln und Aktionen, sarkastischen Kommentaren,  fordern ihre Art zu denken heraus, präsentieren kontroverse Ansichten über Dinge die gemeinhin als normal hingenommen werden.

Schräge Sichtweisen von  charismatischen Persönlichkeiten sind unterhaltsamer als belangloses DJ Geschwafel . Die Talk Hosts sind klar definierte Typen. Sie wollen nicht everybody’s darling  sein, arbeiten mit geradezu brutaler Offenheit, sind identifizierbar, verteidigen harsch ihre Standpunkte.

Talk Radio ist nahe am Puls der Hörer, repräsentiert ihre Erlebniswelt. Es spricht sie an oder regt sie auf, aber es läßt sie nicht kalt.

Das spiegelt auch die gesamte On Air Präsentation wider, ein Claim (Senderslogan) wie “ It hurts when I pee!“ ist sicher nicht jedermanns‘ Sache.

Die federnde Selbstironie  amerikanischer Broadcaster wirkt sympathisch.

Warum Talk Radio?

Das Einkommen der Zielgruppe wird in Amerika und  Australien  stark  berücksichtigt, je höher – desto besser die  „Qualität“ dieser Zielgruppe. Darum werben Talk Sender mit ihren ‚quality demographics‘. Viele  amerikanische Werbekunden bevorzugen diese gegenüber Radios mit hohen Einschaltquoten, die aber vornehmlich von sozial schwächer Gestellten gehört werden.

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Mit diesem Problem haben viele „urban stations“, Radios mit schwarzer Zielgruppe, zu kämpfen. The Beat 001

Die quantitative Akzeptanz ist zwar hoch, trotzdem kann Werbung aber nur zu einem vergleichsweise niedrigen Preis verkauft werden. Afro Amerikaner gelten in der  Werbewirtschaft als nicht so kaufkräftig wie der weiße Mittelstand….

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Talk Radio liegt sowohl quantitativ wie auch qualitativ vorne, es zieht ein wohlhabendes Publikum an und das zahlt sich aus. Für Werbekunden und Stationsbetreiber.

Die  tägliche Musikradionutzung liegt im US Durchschnitt bei 20 Minuten, bei Talk Radio ist sie mit 39 Minuten fast doppelt so hoch. Einzelne Radio Talk Shows können sogar eine durchschnittliche Verweildauer von 1 Stunde 20 Minuten vorweisen.

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Die Stars

Die Konkurrenz ist massiv, 4 mal im Jahr werden die Quoten gemessen. Darum versuchen viele Talk Jocks, Grenzen zu erweitern und neu zu definieren.

Howard Stern hat sie mit seiner Freakshow am weitesten nach unten definiert und sich damit 20 Millionen Fans geschaffen, die täglich seiner Exzesse harren. Er war einer der ersten, der nicht nur im größten Radiomarkt New York präsent sein wollte, sondern in möglichst allen Märkten. Bis dahin galt bei Programmverantwortlichen das Dogma: „Die Morgenshow muß lokal  sein“. Er hielt diese Meinung  für „a lot of crap!“  und trat den Gegenbeweis an. Alle bis dahin als elementar angesehene Elemente für Monrgenshows, nämlich Wetter, Verkehr und Lokalbezug eliminierte er. Und ist fast überall Marktführer. Der erste Morningshow Jock der zur  Nr. 1 in New York und Los Angeles wurde. Und damit die größten Radio Märkte der USA dominierte.

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Inzwischen ist Stern, mit einigen Lücken in den Südstaaten, landesweit zu hören.

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Gerade hat er seinen Vertrag um 5 Jahre  verlängert, er ließ bis zum letzten Tag offen, ob er bleibt oder geht. Damit schuf er eine extrem quotenförderliche Spannung.

Seine Aktionen sind berüchtigt: Er hat einen Schwarzen zu Spiritualklängen  „ausgepeitscht“, eine Frau mit einem toten Fisch versohlt. Weil die Gäste dafür Eigenwerbung in seiner prominenten Show machen  durften, waren sie zu diesen Demütigungen  bereit. 20 Millionen Hörer bekommt man nicht ohne Einsatz.

Darum gibt es immer wieder Publicity Junkies, die irgendeine eklige Idee haben um einen „plug“,  eine gratis Produktwerbung, in seiner Show  unterzubringen. Allerdings lehnt Stern in letzter Zeit auch öfters mal ab, etwa  einen „Uringeschmackstester“ .

Er verlost Schönheitsoperationen, Sex mit Pornostars und macht Behinderte prominent. Ein Stotterer ist Außeninterviewer mit unverschämten Fragen, ein ständig betrunkener Zwerg  bekommt  Filmrollen, einem geistig Behinderten schmeißt er live eine Geburtstagsparty, ein vom Crackrauchen verblödeter und sprachgestörter Junge spricht die Show Promos.

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Diese Freaks, das  sogenannte „wack pack“ ist ein fester Bestandteil der Show.

Stammgast ist ein Führer des Ku Klux Klan. Er wird als „Amerika’s favourite racist“ angekündigt und Stern, wird nicht müde, sich immer wieder die Negativ-Hitliste des Rassismus erklären zu lassen:

Nach  Meinung des  KKK Mannes  stehen Asiaten (die er mit dem entsprechenden Schimpfwort benennt) ganz unten , gleichgestellt  mit Homosexuellen.

Nur Juden rangieren noch  darunter.  Schwarze (die er nur mit dem für Weiße verbotenen N-Wort bezeichnet) sind gar nicht auf der Liste. Sie sind für ihn Tiere …

Stern macht ihn komplett lächerlich, aalt sich in seinem verblendeten Schwachsinn. Er konfrontiert ihn mit einem jüdischen Homosexuellen, einem militanten Schwarzen und einem geistig Behinderten. Stern und seine Crew lachen sich dann schief über den hitzigen Schimpfwortaustausch.

Besonders beliebt sind auch die KKK Filmkritiken, Bewertungseinheit:  brennende Kreuze. Er wird nur in Filme geschickt, die seinen Vorstellungen extrem zuwider sind, die also besonders viel jüdische, asiatische oder afro-amerikanische Themen und Töne haben. Etwa die schwarze Teen Comedy „Booty Calls“…

Double Champ

Eine völlig andere Farbe im Talk Spektrum ist der Night Talker Art Bell. Er hat nach und nach alle Lücken gefüllt, die Larry King bei seinem Wechsel zu CNN hinterlassen hat. Bis dahin war King  ein populärer landesweit verbreiteter Nacht Host.

Art Bell bietet denen ein Forum, die sich für paranormale Phänomene interessieren.

Egal wie abgefahren und durchgebrannt die Anrufer klingen, Bell läßt sie erzählen und ist damit zum führenden overnight host geworden. Seine Popularität unterstreicht er mit einer exzentrischen Lebensweise: Er  sendet aus seinem eigenen Studio in Pahrump. Der kleine Ort liegt zwischen  Las Vegas , dem Tal des Todes und  der berüchtigten „area 51“, dem hermetisch abgeschotteten Testgelände der US-Air-Force und der CIA.  Wilde  Gerüchte über Aliens und Ufo Sichtungen umranken diesen mysteriösen Stützpunkt. Immer wieder zieht sich  Bell für längere Zeit zurück und sendet nicht, Gründe dafür gibt er nicht an. Das schürt Spekulationen und seinen Mythos.

Seine Nische gefunden hat auch Ober-Chauvi Tom Leykis. Er  nennt sich scherzhaft „The Professor“  und gibt Männern Tips „how to get more tail for less money“ – wie man Frauen ohne übermässigen Aufwand „klarmacht„. Er redet so, wie Männer in Bars über Frauen reden: „…nicht mehr als 40$ pro Date ausgeben und spätestens beim dritten muß was laufen, sonst laß es…“

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Leykis ist der Shooting Star der späten 90er Jahre, die No.1 in LA zwischen 15 und 19 Uhr. Bei Männern.

 

Wir übernehmen doch sonst alles aus Amerika, warum haben wir in Deutschland kein Talk Radio?

In Berlin wurde in den  frühen 90er Jahren  eine Wortlizens vergeben,  doch hatte keiner der bisher 3 Betreiber Erfolg. Info Radio, NewsTalk, Berlin Aktuell, alle gaben nach kurzer Zeit auf. Weder Hörer noch Werbekunden konnten sich dafür erwärmen. Die FAZ  sendet dort und angeblich bald auch in München „Business Radio“ (vergl. Journalist 2/2001).

Erst im vergangenen Jahr scheiterte eine Initiative, Talk Radio deutschlandweit zu etablieren. Die Deutsche Talkradio Gesellschaft unter Vorsitz des damaligen Geschäftsführers von Hit-Radio Antenne- Niedersachsen,  Steffen Müller, bemühte sich um ein flächendeckendes Netz von Frequenzen. Mitstreiter fand er in Norbert Schmidt und Thomas Timme vom 10 KW starken AM Musiksender Power 612  in Schleswig Holstein. Beide wären bereit gewesen ihren CHR (contemporary hit radio) Sender in Talk umzuformatieren. Auch die Kieler Medienanstalt ULR signalisierte Einverständnis. Doch die anderen Landesmedienanstalten  verweigerten die beantragten Frequenzen. Daraufhin stiegen potentielle Finanzpartner wie Antenne Bayern Geschäftsführer Karlheinz Hörhammer  aus. Ohne ein flächendeckendes Angebot fehlte dem Projekt die wirtschaftliche Grundlage. Denn nur flächendeckend, darin sind sich alle Initiatoren einig, kann ein solches Projekt für Werbekunden attraktiv sein.

Eine  programmkonzeptionelle Diskussion über Inhalte kam gar   nicht erst auf der Tagesordnung.

Ein großes Problem für Privatanbieter ist die unbestrittene Informationskompetenz  der öffentlich-rechtlichen Sender. Es ist schwer auf dem Informationssektor mit ihnen zu konkurrieren.

Bliebe die Unterhaltung. Aber das finanzielle Risiko lokaler Projekte möchte nach den schlechten Erfahrungen in Berlin niemand mehr tragen. Unternehmer Frank Otto investiert  nach seinem Berliner NewsTalk Flop nur noch in Musiksender.

Fakt ist, daß diese risikoloser und billiger zu bewirtschaften sind. Die  landesweiten Privatsender sind erfolgreich genug, so daß deren Betreiber keinerlei Veranlassung zu Experimenten sehen.

Außerdem fehlt es an Erfahrung mit Talk  Formaten. Unterhaltsames Talk Radio muß auch kontrovers sein. Doch dann drohen Schwierigkeiten mit den Landesmedienanstalten, im schlimmsten Fall gar Entzug der Sendelizens. Wer will  sich schon  in ein  teures Talk-Abenteuer stürzen, wenn sich mit Musikradio problemlos Geld verdienen läßt?

Also wird es in absehbarer Zeit kein Talk Radio in Deutschland geben?

Auf dem klassischem „Luftweg“ erst einmal nicht, sieht man von wortlastigen Formaten wie Hundert 6 in Berlin ab.

Allerdings verspricht die UMTS Technik  interessante Möglichkeiten für Programmanbieter, die  sog. „content provider“. Statt linearer Sendeform,  Programme auf Wunsch (pod – program on demand):

Der Nutzer ruft das Programm ab, wann es ihm paßt.

Die Amerikaner experimentieren zurzeit mit  „Satellite-to-car Radio“.

Per Satellit wird Audio Content  ins Auto geliefert, ein Bereich der momentan noch komplett vom herkömmlichen Radio beherrscht wird. Die extrem rezeptive und werberelevante Zielgruppe der Autofahrer wird damit ein wirtschaftlicher Faktor. Das Radio wie wir es kennen, bekommt Konkurrenz.

Per Audio Stream bekommen content provider ihre Chance:  Autofahrern kann beispielsweise die Zeitung inhaltlich vermittelt werden. Sie können darin blättern, gewünschten Teile auswählen, wiederholen, sobald die Sprachsteuerung ausgereift ist.

Audioprogramme, die nicht von Radiosendern erstellt werden, Special Interest Sendungen auf Abruf – die Vielfalt der Möglichkeiten läßt sich im Moment noch gar nicht absehen. Gut möglich, daß im Rahmen dieser Entwicklung auch Talk Radio zu ungeahnter Pracht  erblühen wird.

Autor:  Thorsten Passek. Internationaler Talk Radio Experte. Gast in diversen Talk Radio Shows in den USA und Australien

                                                 knisterpulver.de

 

 

 

 

 

 

 

 

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